Ein Konzept zur Umgestaltung von psychosomatischen Kliniken

Mit Design zum Therapieerfolg

Beinahe jeder von uns hat einen Freund, Bekannten oder Kollegen, der unter „Burnout“, chronischem Stress, einer Depression oder sonstigen psychischen oder psychosomatischen Erkrankungen leidet oder sich bereits in Therapie begeben hat. Insbesondere durch den Burnout-Begriff ist das Thema Psychosomatik brandaktuell.
Die größtenteils in den 70er Jahren erbauten Kliniken jedoch sind es nicht. Neue Erkenntnisse in Behandlung und Unterbringung benötigen ein neuartiges Konzept. Ein solches beschreibt die Masterthesis „Mit Design zum Therapieerfolg“. Hier an einer spezifischen Klinik erläutert, ist es jedoch mit wenigen Anpassungen auf jedes Haus übertragbar.
Nach einer Patientenbefragung in dieser Klinik zu Gewohnheiten, Wünschen und Sorgen in Bezug auf den Klinikalltag stand die die Individualisierung als Pfeiler des Konzeptes fest.
Die Patienten sollen die Möglichkeit bekommen, alle Dinge, die ihnen nicht gefallen aus ihrem Zimmer zu entfernen und im Gegenzug, Gegenstände, die ihnen gefallen, die sie benötigen oder die ihnen ein gutes Gefühl geben, in ihr Zimmer zu holen.
Der Klinikalltag für Patienten und Angestellte wird mit Hilfe einer entwickelten Auch Smartphoneapp erleichtert. Diese ermöglicht den Scan und die digitale Erfassung der Einrichtungsgegenstände.
Die Zimmer erhalten eine neue, neutrale Farbgebung in Grau- und Weißtönen, die das Holz der Einbaumöbel in seiner Wirkung unterstützen.
Die im Rohzustand ein wenig kahl wirkenden Zimmer werden bei Einzug des Patienten mit der im Klinikfragebogen angegebenen Lieblingsraumfarbe dekoriert. Mit der Zeit entdecken die Patienten jedoch die Regale mit den vielen verschiedenen Einrichtungsgegenständen, die in der gesamten Klinik verteilt sind und beginnen diese mit Hilfe ihres Smartphones auszuleihen und ihrem Zimmer somit einen ganz eigenen Charakter zu geben.
Der Therapieerfolg bzw. die Entwicklung des Patienten ist somit an der Einrichtung dessen Zimmer ablesbar.
Frau Ulrike S. kam vor 3 Wochen mit der Diagnose Erschöpfungsdepression und Somatisierungsstörung in der Rehabilitationsklinik an. Ihre großen Ziele für die Reha sind Stressreduktion und bewusstes Wahrnehmen ihres Körpers und dessen Reaktionen auf ihre Handlungen und die ihres Umfeldes.
Frau S., die schon immer sehr naturverbunden war, mag natürliche Materialien wie Wolle, Sisal und Holz. Die von ihr gewählten Einrichtungsgegenstände spiegeln dies wieder.
Während der vergangenen 3 Wochen nahm Frau S. das Angebot der Achtsamkeitsmeditation wahr und stellte fest, dass diese Methode der bewussten Entspannung und Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und Geist eine große Hilfe für sie darstellt. Sie suchte sich ein Meditationskissen aus dem Flur, um auch in ihrem Zimmer zu meditieren. Auch die Meditationsschale, Buddhastatue und dessen Zitate gehören zu ihrem Zimmer.
Frau S. genießt die räumliche Trennung des manchmal recht trubeligen Wohnbereichs vom Schlafbereich. Die Sprüche und Bilder an der Tafel-Magnetwand im Schlafzimmer sind sehr persönlich und nicht für alle Augen bestimmt. Jeden Abend vor dem Schlafengehen und jeden Morgen nach dem Aufstehen hat Frau S. diese Dinge vor sich und nimmt sie ganz bewusst wahr.
„Das Leben ist kein Problem, das es zu lösen, sondern eine Wirklichkeit, die es zu erfahren gibt“ Diese buddhistische Weisheit schrieb Frau S. bereits in ihrer 2. Woche der Rehabilitation an ihre Wand.